Mehr Wald für Schleswig-Holstein

Im Interview: Lutz Boucsein, stv. Direktor der SHLF

Herr Boucsein, warum ist es gerade in Schleswig-Holstein nötig, Wald zu pflanzen?

Schleswig-Holstein ist mit rund 10 % Waldanteil an der Landesfläche das waldärmste Bundesland, im bundesdeutschen Durchschnitt liegt der Waldanteil bei etwa 30 %. Da haben wir einiges aufzuholen.

Was macht Wälder denn so bedeutsam?

Wälder haben für Umwelt und Klima großen Nutzen. Zuallererst speichern sie über die Photosynthese Kohlendioxid im Holz und geben Sauerstoff ab. Doch bedeutsam ist auch, dass auf bewaldeten Flächen keine Bodenbearbeitung mehr stattfindet, also auch kein Dünger eingesetzt wird. So wird der Boden wieder lebendig, mit den verschiedensten Bodenlebewesen, die sich im Oberboden nun ungestört entwickeln können.

Ein weiterer Vorzug – um nur noch ein Argument zu nennen – ist, dass wir hier einen nachwachsenden Rohstoff erzeugen, der z. B. als Brennstoff oder als Baumaterial genutzt werden kann.

Herr Boucsein, Sie werden Eichen, Buchen, Bergahorne, Kirschen und Eschen pflanzen. Wie sind Sie zu dieser Entscheidung gekommen?

Als Grundlage für die Wahl haben wir vorab eine forstliche Standortkartierung durchgeführt und die Bodenart und -struktur, den Nährstoff- sowie den Wasserhaushalt analysiert. Die Frage nach den Baumarten und ihrem Mischungsverhältnis hängt vom Ergebnis dieser Voruntersuchung ab.

Bei der Auswahl der Pflanzen geht es um ihre Standorteignung. Vereinfacht ausgedrückt gehören Eichen auf Standorte mittlerer Bodengüte, Bergahorne und Kirschen eher auf bessere Böden. Die Buche ist weniger anspruchsvoll und kann auf verschiedenen Böden gut gedeihen, Eschen hingegen benötigen eine gute Wasserversorgung, ohne dass sich Staunässe bildet.

So sind wir in Bönebüttel zu dem Schluss gekommen, die Hälfte der Fläche mit Eichen und Buchen in einem Mischungsverhältnis von 70:30 aufzuforsten. Eine zweite Teilfläche von 45 % wird mit Buchen, Bergahornen und Kirschen in einem Mischungsverhältnis 50:30:20 bewaldet, und auf der verbleibenden Restfläche werden wir Eschen pflanzen.